Freitag, 10. August 2007

6. Pakistan - Kalasha Valleys

Es ist ein schoener sonniger Morgen, ich sitze hier auf meiner Terrasse mit Blick auf das schoene Kalasha Tal.
Ich habe gut gefruehstueckt und dachte mir gerade bei der letzten Tasse Tee, heut lass ich mal ein wenig den Kulturwissenschaftler raushaengen. Schon seit fast einer Woche verweile ich nun hier in Rumbur (eines der drei valleys), als einziges Bleichgesicht bei dem Volk der Kalashas, schreibe Texte fuer diesen Blog, lese, zupfe meine Gitarre und trinke hier und da mal ein Glaeschen Kalasha Wein. Und das uebrigens seit nach fast 7 woechiger Abstinenz moechte ich an dieser Stelle betonen, denn Iran und Pakistan sind ja wie wir wissen trockene Staaten - nur die Kalashas als Nichtmuslime haben das Privileg ihre Gehirnzellen gelegentlich mal rotieren zu lassen! Und noch etwas ist auffaellig nach den ganzen islamischen Laendern die ich bisher durchquert habe um hier her zu gelangen, man sieht wieder Frauen in der Oeffentlichkeit - und man darf sogar mit ihnen sprechen! Im Mainland Pakistans hat man manchmal das Gefuehl Frauen existieren ueberhaupt nicht. Zumindest bekommt man sie fast nie zu Gesicht, und wenn dann meist mit einer Burka ueber das Haupt gestuelpt.

Das Volk der Kalashas lebt verstreut in drei schwer zugaenglichen Taelern, hoch droben in den westlichen Auslaeufern des Himalayas. Zur afghanischen Grenze sind es von hier aus nur noch 20 Kilometer. Die Kalashas fallen vor allem durch ihr recht europaeisches Aussehen auf. Einige von ihnen sind blond und haben einen auffaellig hellen Teint. Es gibt bezueglich der Kalashas die unterschiedlichsten Herkunftstheorien . Am meisten gefiel mir die, dass Alexander der Grosse (ca. 350 v. Chr.) bei seinem grossen Feldzug 5 seiner verwundeten Soldaten zurueckgelassen hat, die sollen sich dann mit dem hier damals ansaessigen Stamm vermischt haben. Islam war zu diesem Zeitpunkt uebrigens noch weit weg - Allah schickte seinen Propheten Mohammed erst knapp 900 Jahre spaeter nach Mekka. Leider ist die Kalashakultur heute vom Aussterben bedroht, zaehlte man um 1900 noch fast 100.000, so gibt es heute nur noch um die 3500 Kalashas. Durch Assimilation, Diskriminierung und Zwangsislamisierung kann man dem Druck von aussen nur schwer standhalten. Man pflegt eine eigene Sprache und aehnlich wie schon die alten Griechen glauben die Kalashas an verschiedene Goetter, d.h. fuer verschiedene Aspekte des Lebens wie Familie, schwangere Muetter, Heirat etc., gibt es eine entsprechende Gottheit. Da die Community nur noch ca.3500 Mitglieder zaehlt, ist jeder auch irgendwie mit jedem verwandt. Man lebt friedlich und bescheiden in diesen abgelegenen Taelern, lebt von Viehhaltung und Landwirtschaft und gelegentlich wird ein Ziegenbock geopfert, um die Goetter friedlich zu stimmen.

Ich hab ja schon einiges auf dieser Welt gesehen und erlebt, aber ein so freundliches und ehrliches Volk wie die Kalashas ist mir bis jetzt nur selten begegnet. Ich wohne bei Engineer Kahn, er ist der Englischlehrer des Dorfes und auch er ist einem Glaesschen Wein nicht unbedingt abgeneigt. Abends sitzen wir auf der Terrasse und palavern und rauchen gelegentlich eine Wundertuete. Da ja alle sind wie gesagt irgendwie miteinander verwandt sind und es auch kein Fernsehen oder Telefon gibt, ist jeden Abend irgendwo ein Sit-Inn angesagt. Ich hab das Gefuehl, dass ich schon das halbe Dorf kenne. Gestern haben wir einen der Dorfbewohner besucht, er wurde vor kurzem von einer Schlange ins Bein gebissen. Sitte im Dorf ist es, dass jeder Bewohner zumindest einmal den Kranken besucht und ein kleines Geschenk bringt. Als wir kamen, war im Haus des Kranken bereits das halbe Dorf versammelt. Bei jedem Neuankoemmling musste der Kranke seine Geschichte vom Schlangenbiss aufs Neue erzaehlen, immer und immer wieder. Die meisten Anwesenden hatten die Geschichte bis dahin wahrscheinlich schon 20 mal oder oefter gehoert. Aber man riss die Augen und den Mund immer wieder erneut auf, als hoerte man das Abenteuer mit der Schlange zum ersten mal, man schuettelte sich vor Lachen - immer wieder aufs neue.
Was mir aber am allermeisten gefallen hat hier bei den Kalashas ist, dass sie nicht wissen wie alt sie sind, man sagt lapidar mein Vater hat es vergessen aufzuschreiben oder er konnte nicht schreiben usw.. Ist das nicht herrlich...und da man ja nicht weiss, wann man geboren ist, feiert man auch keinen Geburtstag! In dieser Hinsicht waere ich doch gern Kalasha, ihr wisst ja um meine Altersprobleme?!
















1 Kommentar:

schiewe hat gesagt…

alles klasse!!!