Freitag, 10. August 2007

5. Iran - Fernsehen

Es ist ein verregneter Nachmittag, ich befinde mich immer noch in den iranischen Bergen nicht weit der Grenze zu Aserbaidschan. Ich habe einen kleinen Fernseher mit 4 Programmen in meinem Zimmer. Im Augenblick spricht gerade der kleine Zornige aus Teheran, so wie sie ihn hier nennen. Ich spreche von Mahmud Ahmadinedschad, dem iranischen Praesidenten, der neuen Hassfigur des aufgeklaerten Westens. Nur Bush jr. macht ihm noch im Augenblick den ersten Platz in den Charts der grossen Boesewichte dieser Welt streitig! Seltsammerweise habe ich bis jetzt noch keinen Iraner kennengelernt, der etwas von diesem Mann hielt.
Dann symphatisierte man doch schon eher mit dem religioesen Führer Khamenei, dem eigentlichen Strippenzieher des Landes. Das iranische Fernsehen ist wahrscheinlich eines der langweiligsten auf diesem Planeten, es erinnert ein wenig an das ehemalige sozialistische DDR-Fernsehen. Es gibt viele religioese Ansprachen und Gesaenge, uninteressante Aufklaerungssendungen ueber dies und jenes und vor allem reichlich politische Diskussionen. Im Hintergrund solcher Sendungen befinden sich in der Regel friedliche Symbole wie Blumekraenze oder sich entgegenkommende Haende, deren ausgestreckten Zeigefinger sich kurz vor der Beruehrung befinden. Welch heile schoene Welt! Auch der kleine aus Teheran ist bei seinen Ansprachen immer von praechtigen Blumenmeeren umringt und im Hintergrund ist meist ein Transparent zu sehen, das die schoensten Landschaften Irans zeigt - ganz nach dem Motto "es gibt kein schoeneres und besseres Land zum Leben als das Unsere"! Die Nachrichtensprecherin ist natuerlich stets ordentlich verschleiert, so wie sich das gehoert, nicht so wie die weibliche rebellische Jugend der Hauptstadt, die ihr Kopftuch provokativ schon fast wie ein Halstuch traegt. Aber die Sittenpolizei greift seit letzter Zeit auf Anordnung des Zornigen aus Teheran wieder staerker durch. Wenn eine Frau mehrmals beim nicht ordnungsgemaessen Tragen des Kopftuches erwischt wird, geht es ab fuer einige Tage ins Erziehungscamp. Die Iraner koennen einem leid tun, sie langweilen sich, es gibt kein Entertainment. Langeweile und Nichtunterhaltung werden hier von staatlicher Seite gefordert und gefoerdert. Keine Bars, keine Diskos, keine Popmusik und dann auch noch langweiliges Fernsehen das keiner sehen mag. Keiner soll schliesslich auf dumme Gedanken kommen, so hat es der Ayatollah 1979 angeordnet. Am allerbesten sind aber die Kindersendungen, hier muessen Herr Fuchs und Frau Elster des ehemaligen DDR Fernsehen Pate gestanden haben. Schon von den ersten Gehversuchen an soll begriffen werden, dass es kein besseres Land auf dieser Erde gibt, um seine Kindheit zu verleben als das Iranische.
Alles wimmelt nur so von froehlichen Woelkchen,harmonischen Sonnenuntergaengen, lachenden Sonnenblumen, bunten Schmetterlingen und summenden Bienen. Alles ist gruen und fruchtbar - obwohl das Land fast nur aus karger Wueste besteht. Eigentlich fehlt nur noch der gemuetliche grinsende Halbmond mit der Pfeife im Mundwinkel!
Wie schrieb noch mal der Medientheoretiker Siegfried Kracauer in seinem Aufsatz " Theorie des Films: Die Errettung der äusseren Wirklichkeit ". Die Ideologie eines Staates manifestiert sich in all seinen aeusseren Erscheinungen: in seinen Gebaeuden, in seinen Bildungsinstitutionen, im Erziehungswesen und nicht zuletzt in seinen oeffentlichen Medien.




2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"obwohl das land nur aus karger wueste besteht"???? ohje mine, also wer so wenig über den iran weiß wie sie (wie ich hier sehe haben sie nur 2 tage dort verbracht???), der sollte mit solchen kommentaren sehr vorsichtig sein. die persischen leute sind dem westen offener als man denken würde, die frauen tragen ihren beitrag zum zivilen widerstand eben so bei, indem sie das kopftuch so weit wie möglich nach hinten schieben. so, dass es gerade nicht runterfällt. und sollte das doch einmal der fall sein, kümmert das auch niemanden. denn die strenge der sittenwächter hat deutlich nachgelassen, sehr selten begegnet man nur noch einem oder einer revolutionswächter/in. jungs und mädchen treffen sich trotz verbots des kontaktes zwischen den geschlechtern! jeder hat auch schon vor der heirat mehrere partner - wie bei uns - eben heimlich! wenn sie sich ein bisschen näher und mehr mit den menschen dort beschäftigt hätten, hätten sie den brummenden und nicht mehr zu stoppenden widerstand der eben weil verboten im "untergrund" geleistet wird, nicht übersehen können. und naja..ich finde als deutscher sollte man sich nicht über andere beschweren, wenn diese versuchen, ihr land von der schönsten seite zu zeigen ("..dass es kein besseres land zum leben gäbe, als das iranische"), denn ich glaube es gibt auf der welt keine größeren angeber als die deutschen, schließlich seit ihr ja in jedem sport und überall die besten. ich denke, wenn man in so ein land wie den iran geht, sollte man dieser kultur und religion etwas offener gegenüberstehen und es einfach akzeptieren, dass dort sehr viel anders ist als bei uns in europa, ich denke, dann kann man auch erst erkennen, was für wunderschöne seiten der iran auch hat!

Anonym hat gesagt…

hallo, ich glaube sie haben den text missverstanden?! ganz nebenbei ist iran eines meiner lieblingsreiselaender, und ich glaube schon, dass ich soweit es ging als tourist mich mit gesellschaft und kultur auseinandergesetzt habe. ich habe viele iraner kennengelernt die sehr unzufrieden sind mit den zustaenden im eigenen land: sprich die vielen verbote, staendige kontrolle usw.. das heisst nicht das sie ihr land nicht lieben! zur sittenpolizei - ich hatte das gefuehl das diese waehrend meines aufenthaltes wieder etwas strenger durchgreifen wollte. ...ich weiss nicht wie sie auf die idee kommen, dass ich mich ueber denn iran in meinen texten lustig mache! mir wirklich schleierhaft - dabei scheint ihr deutsch doch recht passabel zu sein...aber das die deutschen gerne angeben das kann schon gut sein!!!