Sonntag, 12. August 2007

7. Pakistan - Wie fuehlt sich ein Unfall an?


Heute war es dann endlich soweit, nicht das ich sehnsuechtig darauf gewartet haette, aber ich habe mich doch schon so manches mal auf meinen langen Fahrten durch diese Welt gefragt, wie ungewoehnlich es doch ist, das ich noch nie in einen ernsthafteren Unfall verwickelt wurde? Das sollte sich aendern! Heute morgen bereits um 5.00 Uhr ging die Reise von einem kleinem Bergnest namens Mastuj nach Gilgit der groessten Ortschaft mit 20.000 Einwohnern im pakistanischen Himalaya los.
Anfangs noch auf nicht asphaltierten Strassen, Landslides, tiefen Abgruenden usw., aber fuehlte ich mich trotz meiner notorischen Hoehenangst relaxed und recht sicher. Mit einem lauten Knall aenderte sich diese truegerische Harmonie, der Bus ueberschlug sich und blieb auf seiner rechten Laengsseite liegen. Der Fahrzeug war vollbesetzt - die Passagiere, das Gepaeck inklusive meiner selbst wirbelten wie in den besten Actionfilmen durch den Innenraum. Schon oftmals habe ich bei solch nervenaufreibenden Fahrten nachgedacht, wie man wohl in so einem entscheidenenden Moment denken und fuehlen mag? Man sagt ja immer, das ganze Leben zeiht nochmal in Sekundenbruchteilen an einem vorbei usw. Alles Schwachsinn, zumindest bezueglich meiner selbst...

...bei mir war das anders, nach den ersten der 10tel Schrecksekunden des Schocks versuchte ich mich bei nebuloesen Bewustsein an etwas zu klammern um mein jaemmerliches Leben nicht beenden zu muessen! Und waehrend ich so meine Kapriolen und Purzelbaeume durch das Fahrzeuginnere schlug, schrie ich aus noch aus voller Kehle "fucking Busdriver". Ist doch erstaunlich zu was man alles faehig ist - selbst in dem Bewustsein das der Tod sich langsam naehern koennte! Und selbst als der Bus dann endlich zum Stillstand kam und links und rechts von mir in den Sitzen eingeklemmte Leiber kreischten und wimmerten und ich einen immensen Schmerz in meiner linken Schulter verspuerte schien mein Zorn auf den Busfahrer nicht nachzulassen. Die Strasse war zu diesem Zeitpunkt immerhin schon asphaltiert!


Es dauerte natuerlich ne ganze Weile bis sich die Situation im Fahrzeuginneren beruhigte. Bis alle Verletzten inkl. das Gepaeck geborgen waren vergingen gut eine Stunde und laenger. Mein Schutzengel hatte mir nochmal das Leben gerettet, andere hatten weniger Glueck. Ausser einigen Prellungen, Abschuerfungen und meiner linken Schulter, die es wirklich richtig erwischt hat (event. Nerv eingeklempt) bin ich sozusagen glimpflich davon gekommen. Wenn auch keine schoene, aber dennoch eine interessante Erfahrung!
Die Polizei oder Ambulanz ist uebrigens nie erschienen, die schwerer Verletzten sind mit einem zufaellig vorbeikommenden Traktor ins naechste Dorf gebracht worden. Ich fragte einen Pakistani der etwas Englisch sprach nach laengerer Zeit des Beobachtens, warum den keine Polizei kaeme? Er zuckte nur laessig mit den Schultern und sagte "...and what, what shall they do?", und ich dachte mir im stillen - er hatte recht! So sassen wir da wie die Deppen und keiner wusste so richtig was los war und was den kommen wuerde. So warteten wir drei Stunden bis uns endlich ein Eselskarren einen Lift in naechste Dorf anbot.
Spaeter stellte sich dann uebrigens heraus das der Busfahrer das Fahrzeug absichtlich zum kippen gebracht hatte, da die Bremsen nicht mehr funktionierten. Wir hatten gut 60 Sachen drauf und die naechste Kurve haette er bei der Geschwindingkeit nicht nehmen koennen. Dann waere es gut 100 Meter in den Abgrund in den reissenden Fluss gegangen (siehe Bild oben).
Der Busfahrer auf den ich anfangs so wuetend war und am liebsten gekillt haette, hatte also mit seiner instinktiven Handlung unser aller Leben gerettet!


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