Montag, 27. August 2007

11. Bilder Kasghar

Der hat mich glaub ich grad noch beim ausloesen gesehen!








Kasghar wie es mal war!





Hidden corner in the old town




Sozialistische Ikonen im chinesischen des Neokapitalismus zum Verkauf!

Viagra Werbung found in Kashgar!!














Donnerstag, 23. August 2007

10. Kashgar - die einstige Perle der Seidenstrasse....







...wird chinesisiert. Am Anfang war ich erschuettert, obwohl ich mich schon mental intensiv darauf vorbereitet hatte. Anyway mittlerweile fuehl ich schon ganz wohl hier und bin dabei meinen Arm auszukurieren, bevor es vom Westen aus nach Tibet-Lahsa geht. Die ganze Fahrt ist ziemlich kompliziert und vor allem illegal, bin gerade dabei die noetigen Informationen fuer diese man koennte sagen expeditionsaehnliche Fahrt von 2800km zu sammeln! Man muss viel Bakshish zahlen usw., oeffentliche Verkehrsmittel nur schwer zugaenglich! das ganze ist Unfertig, wird demnaechst veraendert!!!!










Montag, 20. August 2007

9. Xingiang-Nordost-China; Das Leben in einer Jurte...

...Ziemlich in der Naehe der pakistanischen Grenze im aeussersten Nordwesten Chinas in der Provinz Xingiang am hochgelegenen Karakul lake leben noch einige kirgisische Nomaden wie vor hundert Jahren in ihren Jurten. Der See liegt auf fast 4000 Metern Hoehe und ist umringt von schneebedeckten Berggipfeln. Eine Bilderbuchlandschaft, ich hab hier soviel mit meinen 2 Kameras rumgeknippst, dass ich gar nicht mehr nach Zentralasien reisen muss. Denn hier ist vor Ort! Hier gab es alles in Huelle und Fuelle: Kirgisen, Tadschiken, Usbeken, Yaks, Jurten, alte noch aus kommunistischer Zeit stammende Traktoren, LKWs usw., also alles, was mein retrophil veranlagtes Herz begehrte.

The Karakoram Highway at is best, on the way to Kashgar




















Der Hausvorstand der Jurte serviert das Abendessen



















Kirgisen oder Tadschiken?!
















Lake Karakul












Jurtensiedlung, die erste Jurte war uebrigens die meinige...















Die chinesische Assimilationspolitik und Warenoekonomie waren in diese entlegene Region noch nicht vorgedrungen! Das Zentralkomitee hatte anscheinend mit dem tibetischen Hochland und mit den grossen uigurischen Staedten wie Kashgar genug zu tun. So viele Bagger und Lastwagen schien es selbst im aufstrebenden China nicht zu geben, um das riesige Reich in allen Landesteilen gleichzeitig umzukrempeln! Man liess die kirgisischen Nomaden also noch ein paar Jahre gewaehren. Aber in gut 10-15 Jahren, da bin ich mir sicher, wird das Zentralkomitee in dieser kargen und oeden Hochebene so ne Art Las Vegas errichten, dann die Pakistanis in komfortablen Bussen ueber die nah gelegene Grenze karren um dann ihre unterdrueckten Beduerfnisse wie Alkohol, Sex, gambling und sonstiges zu befriedigen. Wetten dass?!
Zurueck zum Jurtenleben. Ich habe dort einige Tage verbracht, vom Naturerlebnis wie beschrieben fast unschlagbar. Was mich aber wirklich erstaunt hat und nachdenklich stimmte, war das einfache und genuegsame Alltagsleben dieser Nomaden. Ich hatte auf meinen Reisen ja schon viele verschiedene und einfache Lebensweisen kennengelernt, der kirgisische Jurtenalltag sprengte jedoch alle Register. Zum Glueck hatte ich meine Gitarre bei mir! Da es auf 4000 Metern nachts recht kuehl ist, steht man morgens erst so gegen 10 Uhr auf. Pekingtime, die Sonne geht erst sehr spaet auf und gegen 22.00 wird es wieder dunkel. Der Jurtenvorstand, d.h. die Frau des Hauses krabbelte wie selbstverstaendlich am morgen als erstes unter dem warmen Yakfell hervor, waehrend der Ehemann und die Kinder liegenbleiben - noch zu kalt. Sie heizt den zentral in der Jurte stehenden Ofen an und bereitet den typischen salzigen Yakbuttertee zu. Dazu gibt es dann trockenes Fladenbrot, welches man dann in den fettigen Tee taucht. Uebrigens nicht jedermanns Geschmack! Nach solch einem anstrengenden Fruehstuck legte man sich dann erstmal wieder in die Koje und razte noch ein bis zwei Stuendchen, bis der Jurtenvorstand wieder unter dem Yakfell hervorkrabbelte und damit begann das Mittagsmahl zuzubereiten. Sowas konnte dann so um die 2-3 Stunden in Anspruch nehmen. Der Ehemann und die Kinder sind nun auch endlich wach. Der Ehemann oeffnet die Tuer und schreitet mit pruefendem Blick ein oder zweimal um die Jurte und schaut ob alles in Ordnung ist. Dann setzt er sich vor die Jurtentuer, schaut gelassen auf den See und raucht einige Zigaretten und wartet auf das Mittagsessen. Zeit spielte keine Rolle; spezifische Interessen oder sonstige Aktivitaeten schien es im kirgisischen Jurtenalltag nicht zu geben. In den Nachbarjurten verlief das Alltagsleben uebrigens in aehnlicher Weise. Es war endlich soweit, dass Mittagessen war zubereitet. Nach dem Mahl das obligatorische Mittagsschlaefchen. Irgendwann krabbelte dann der Jurtenvorstand wieder unter dem Fell hervor und begann mit der Zubereitung des Abendessens, waehrend der Ehemann sich wieder vor die Jurte setzte und sich die Sonne ins Gesicht scheinen liess. Er sprach einigermassen Englisch, da der gelegentlich vorbeischauende Tourist die finanzielle Haupteinnahme der Familie war. So fragte ich ihn nach seinen Plaenen und Interessen, aber er schien mich nicht richtig zu verstehen zu wollen. Ich bohrte weiter und erinnerte ihn daran, dass es doch erst Nachmittag waere und ob er den noch etwas vorhabe? Ja sagte er, natuerlich, er wartet auf das Abendessen und dann will er zu Bett gehen...um es kurz zu machen, dieser ritualisierte Alltag wiederholte sich die ganzen drei Tage, die ich dort in dieser Jurte verbrachte. Das einzige worum man sich kuemmern musste, waren die Tiere die hoch droben in den Bergen lebten, man hatte einige Yaks und Ziegen, alles zwei Wochen fuhr man mit dem Moped hoch zur Alm und schaute nach ob sich nicht etwa ein Schneeleopard oder aehnliches daran gelabt hatte. So was kam nicht selten vor, so sagte man mir - obwohl ich bisher niemanden getroffen hatte der je einen dieser seltenen Tiere gesehen hatte!
Das ganze Leben dieser Nomaden erinnerte mich ein wenig an einen guten Freund aus meiner Heimat. Man laesst das Leben einfach an sich vorbeiziehen, Zeit spielt keine Rolle, man hat keine Angst etwas zu verpassen und scheint trotzdem zufrieden zu sein?! Auch diese kirgisischen Nomaden schienen zufrieden und gluecklich mit ihrem Dasein, der Begriff Langeweile war ihnen anscheinend fremd, insofern konnten sie sich ja gar nicht langweilen! Alles im Leben ist eben Gewoehnungssache - oder nicht?! Das scheint mir das einzige plausible Erklaerungsmodell, anders kann ich mir mit meinen westlich determiniertem Hirn nicht erklaeren, wie man so ein Leben leben kann!
Wie sagte nochmal Homer Simpson, frei zitiert nach einem guten Freund aus meiner Heimat: "Alles was weiter weg ist von mir als 20 Meter lohnt den Aufwand nicht, zu anstrengend!"


Montag, 13. August 2007

8. Pakistan - Karimabad







Blick von meinem Guesthouse in Karimabad
Bin Laden lebt!





















Hier mal ein paar Bilder aus der Gegend in der ich gerade verweile. Bin z.Zt in Karimabad einem Dorf das fast ausschliesslich von Ismailis bewohnt wird, eine muslimische Sekte die den Aga Kahn verehrt. Dieser wohnt allerdings in Paris und laesst es sich dort mit seinen Rennpferden und Champangner gut gehen.
Anyway die Ismailis sind wohl mit Abstand die modernsten und offensten Muslime. Die Frauen sind kaum verschleiert und man darf sich mit ihnen sogar unterhalten!
Und sie lachen sogar, im Mainland Pakistans ist sowas leider selten zu sehen. Hier bei den Ismailis gibt es aus meiner Sicht tatsaechlich ernsthafte Ansaetze wie man den Islam fuer die Zukunft fit machen koennte!









And what about her, does she not look pretty Europeanlike!


Sonntag, 12. August 2007

7. Pakistan - Wie fuehlt sich ein Unfall an?


Heute war es dann endlich soweit, nicht das ich sehnsuechtig darauf gewartet haette, aber ich habe mich doch schon so manches mal auf meinen langen Fahrten durch diese Welt gefragt, wie ungewoehnlich es doch ist, das ich noch nie in einen ernsthafteren Unfall verwickelt wurde? Das sollte sich aendern! Heute morgen bereits um 5.00 Uhr ging die Reise von einem kleinem Bergnest namens Mastuj nach Gilgit der groessten Ortschaft mit 20.000 Einwohnern im pakistanischen Himalaya los.
Anfangs noch auf nicht asphaltierten Strassen, Landslides, tiefen Abgruenden usw., aber fuehlte ich mich trotz meiner notorischen Hoehenangst relaxed und recht sicher. Mit einem lauten Knall aenderte sich diese truegerische Harmonie, der Bus ueberschlug sich und blieb auf seiner rechten Laengsseite liegen. Der Fahrzeug war vollbesetzt - die Passagiere, das Gepaeck inklusive meiner selbst wirbelten wie in den besten Actionfilmen durch den Innenraum. Schon oftmals habe ich bei solch nervenaufreibenden Fahrten nachgedacht, wie man wohl in so einem entscheidenenden Moment denken und fuehlen mag? Man sagt ja immer, das ganze Leben zeiht nochmal in Sekundenbruchteilen an einem vorbei usw. Alles Schwachsinn, zumindest bezueglich meiner selbst...

...bei mir war das anders, nach den ersten der 10tel Schrecksekunden des Schocks versuchte ich mich bei nebuloesen Bewustsein an etwas zu klammern um mein jaemmerliches Leben nicht beenden zu muessen! Und waehrend ich so meine Kapriolen und Purzelbaeume durch das Fahrzeuginnere schlug, schrie ich aus noch aus voller Kehle "fucking Busdriver". Ist doch erstaunlich zu was man alles faehig ist - selbst in dem Bewustsein das der Tod sich langsam naehern koennte! Und selbst als der Bus dann endlich zum Stillstand kam und links und rechts von mir in den Sitzen eingeklemmte Leiber kreischten und wimmerten und ich einen immensen Schmerz in meiner linken Schulter verspuerte schien mein Zorn auf den Busfahrer nicht nachzulassen. Die Strasse war zu diesem Zeitpunkt immerhin schon asphaltiert!


Es dauerte natuerlich ne ganze Weile bis sich die Situation im Fahrzeuginneren beruhigte. Bis alle Verletzten inkl. das Gepaeck geborgen waren vergingen gut eine Stunde und laenger. Mein Schutzengel hatte mir nochmal das Leben gerettet, andere hatten weniger Glueck. Ausser einigen Prellungen, Abschuerfungen und meiner linken Schulter, die es wirklich richtig erwischt hat (event. Nerv eingeklempt) bin ich sozusagen glimpflich davon gekommen. Wenn auch keine schoene, aber dennoch eine interessante Erfahrung!
Die Polizei oder Ambulanz ist uebrigens nie erschienen, die schwerer Verletzten sind mit einem zufaellig vorbeikommenden Traktor ins naechste Dorf gebracht worden. Ich fragte einen Pakistani der etwas Englisch sprach nach laengerer Zeit des Beobachtens, warum den keine Polizei kaeme? Er zuckte nur laessig mit den Schultern und sagte "...and what, what shall they do?", und ich dachte mir im stillen - er hatte recht! So sassen wir da wie die Deppen und keiner wusste so richtig was los war und was den kommen wuerde. So warteten wir drei Stunden bis uns endlich ein Eselskarren einen Lift in naechste Dorf anbot.
Spaeter stellte sich dann uebrigens heraus das der Busfahrer das Fahrzeug absichtlich zum kippen gebracht hatte, da die Bremsen nicht mehr funktionierten. Wir hatten gut 60 Sachen drauf und die naechste Kurve haette er bei der Geschwindingkeit nicht nehmen koennen. Dann waere es gut 100 Meter in den Abgrund in den reissenden Fluss gegangen (siehe Bild oben).
Der Busfahrer auf den ich anfangs so wuetend war und am liebsten gekillt haette, hatte also mit seiner instinktiven Handlung unser aller Leben gerettet!


Freitag, 10. August 2007

6. Pakistan - Kalasha Valleys

Es ist ein schoener sonniger Morgen, ich sitze hier auf meiner Terrasse mit Blick auf das schoene Kalasha Tal.
Ich habe gut gefruehstueckt und dachte mir gerade bei der letzten Tasse Tee, heut lass ich mal ein wenig den Kulturwissenschaftler raushaengen. Schon seit fast einer Woche verweile ich nun hier in Rumbur (eines der drei valleys), als einziges Bleichgesicht bei dem Volk der Kalashas, schreibe Texte fuer diesen Blog, lese, zupfe meine Gitarre und trinke hier und da mal ein Glaeschen Kalasha Wein. Und das uebrigens seit nach fast 7 woechiger Abstinenz moechte ich an dieser Stelle betonen, denn Iran und Pakistan sind ja wie wir wissen trockene Staaten - nur die Kalashas als Nichtmuslime haben das Privileg ihre Gehirnzellen gelegentlich mal rotieren zu lassen! Und noch etwas ist auffaellig nach den ganzen islamischen Laendern die ich bisher durchquert habe um hier her zu gelangen, man sieht wieder Frauen in der Oeffentlichkeit - und man darf sogar mit ihnen sprechen! Im Mainland Pakistans hat man manchmal das Gefuehl Frauen existieren ueberhaupt nicht. Zumindest bekommt man sie fast nie zu Gesicht, und wenn dann meist mit einer Burka ueber das Haupt gestuelpt.

Das Volk der Kalashas lebt verstreut in drei schwer zugaenglichen Taelern, hoch droben in den westlichen Auslaeufern des Himalayas. Zur afghanischen Grenze sind es von hier aus nur noch 20 Kilometer. Die Kalashas fallen vor allem durch ihr recht europaeisches Aussehen auf. Einige von ihnen sind blond und haben einen auffaellig hellen Teint. Es gibt bezueglich der Kalashas die unterschiedlichsten Herkunftstheorien . Am meisten gefiel mir die, dass Alexander der Grosse (ca. 350 v. Chr.) bei seinem grossen Feldzug 5 seiner verwundeten Soldaten zurueckgelassen hat, die sollen sich dann mit dem hier damals ansaessigen Stamm vermischt haben. Islam war zu diesem Zeitpunkt uebrigens noch weit weg - Allah schickte seinen Propheten Mohammed erst knapp 900 Jahre spaeter nach Mekka. Leider ist die Kalashakultur heute vom Aussterben bedroht, zaehlte man um 1900 noch fast 100.000, so gibt es heute nur noch um die 3500 Kalashas. Durch Assimilation, Diskriminierung und Zwangsislamisierung kann man dem Druck von aussen nur schwer standhalten. Man pflegt eine eigene Sprache und aehnlich wie schon die alten Griechen glauben die Kalashas an verschiedene Goetter, d.h. fuer verschiedene Aspekte des Lebens wie Familie, schwangere Muetter, Heirat etc., gibt es eine entsprechende Gottheit. Da die Community nur noch ca.3500 Mitglieder zaehlt, ist jeder auch irgendwie mit jedem verwandt. Man lebt friedlich und bescheiden in diesen abgelegenen Taelern, lebt von Viehhaltung und Landwirtschaft und gelegentlich wird ein Ziegenbock geopfert, um die Goetter friedlich zu stimmen.

Ich hab ja schon einiges auf dieser Welt gesehen und erlebt, aber ein so freundliches und ehrliches Volk wie die Kalashas ist mir bis jetzt nur selten begegnet. Ich wohne bei Engineer Kahn, er ist der Englischlehrer des Dorfes und auch er ist einem Glaesschen Wein nicht unbedingt abgeneigt. Abends sitzen wir auf der Terrasse und palavern und rauchen gelegentlich eine Wundertuete. Da ja alle sind wie gesagt irgendwie miteinander verwandt sind und es auch kein Fernsehen oder Telefon gibt, ist jeden Abend irgendwo ein Sit-Inn angesagt. Ich hab das Gefuehl, dass ich schon das halbe Dorf kenne. Gestern haben wir einen der Dorfbewohner besucht, er wurde vor kurzem von einer Schlange ins Bein gebissen. Sitte im Dorf ist es, dass jeder Bewohner zumindest einmal den Kranken besucht und ein kleines Geschenk bringt. Als wir kamen, war im Haus des Kranken bereits das halbe Dorf versammelt. Bei jedem Neuankoemmling musste der Kranke seine Geschichte vom Schlangenbiss aufs Neue erzaehlen, immer und immer wieder. Die meisten Anwesenden hatten die Geschichte bis dahin wahrscheinlich schon 20 mal oder oefter gehoert. Aber man riss die Augen und den Mund immer wieder erneut auf, als hoerte man das Abenteuer mit der Schlange zum ersten mal, man schuettelte sich vor Lachen - immer wieder aufs neue.
Was mir aber am allermeisten gefallen hat hier bei den Kalashas ist, dass sie nicht wissen wie alt sie sind, man sagt lapidar mein Vater hat es vergessen aufzuschreiben oder er konnte nicht schreiben usw.. Ist das nicht herrlich...und da man ja nicht weiss, wann man geboren ist, feiert man auch keinen Geburtstag! In dieser Hinsicht waere ich doch gern Kalasha, ihr wisst ja um meine Altersprobleme?!
















5. Iran - Fernsehen

Es ist ein verregneter Nachmittag, ich befinde mich immer noch in den iranischen Bergen nicht weit der Grenze zu Aserbaidschan. Ich habe einen kleinen Fernseher mit 4 Programmen in meinem Zimmer. Im Augenblick spricht gerade der kleine Zornige aus Teheran, so wie sie ihn hier nennen. Ich spreche von Mahmud Ahmadinedschad, dem iranischen Praesidenten, der neuen Hassfigur des aufgeklaerten Westens. Nur Bush jr. macht ihm noch im Augenblick den ersten Platz in den Charts der grossen Boesewichte dieser Welt streitig! Seltsammerweise habe ich bis jetzt noch keinen Iraner kennengelernt, der etwas von diesem Mann hielt.
Dann symphatisierte man doch schon eher mit dem religioesen Führer Khamenei, dem eigentlichen Strippenzieher des Landes. Das iranische Fernsehen ist wahrscheinlich eines der langweiligsten auf diesem Planeten, es erinnert ein wenig an das ehemalige sozialistische DDR-Fernsehen. Es gibt viele religioese Ansprachen und Gesaenge, uninteressante Aufklaerungssendungen ueber dies und jenes und vor allem reichlich politische Diskussionen. Im Hintergrund solcher Sendungen befinden sich in der Regel friedliche Symbole wie Blumekraenze oder sich entgegenkommende Haende, deren ausgestreckten Zeigefinger sich kurz vor der Beruehrung befinden. Welch heile schoene Welt! Auch der kleine aus Teheran ist bei seinen Ansprachen immer von praechtigen Blumenmeeren umringt und im Hintergrund ist meist ein Transparent zu sehen, das die schoensten Landschaften Irans zeigt - ganz nach dem Motto "es gibt kein schoeneres und besseres Land zum Leben als das Unsere"! Die Nachrichtensprecherin ist natuerlich stets ordentlich verschleiert, so wie sich das gehoert, nicht so wie die weibliche rebellische Jugend der Hauptstadt, die ihr Kopftuch provokativ schon fast wie ein Halstuch traegt. Aber die Sittenpolizei greift seit letzter Zeit auf Anordnung des Zornigen aus Teheran wieder staerker durch. Wenn eine Frau mehrmals beim nicht ordnungsgemaessen Tragen des Kopftuches erwischt wird, geht es ab fuer einige Tage ins Erziehungscamp. Die Iraner koennen einem leid tun, sie langweilen sich, es gibt kein Entertainment. Langeweile und Nichtunterhaltung werden hier von staatlicher Seite gefordert und gefoerdert. Keine Bars, keine Diskos, keine Popmusik und dann auch noch langweiliges Fernsehen das keiner sehen mag. Keiner soll schliesslich auf dumme Gedanken kommen, so hat es der Ayatollah 1979 angeordnet. Am allerbesten sind aber die Kindersendungen, hier muessen Herr Fuchs und Frau Elster des ehemaligen DDR Fernsehen Pate gestanden haben. Schon von den ersten Gehversuchen an soll begriffen werden, dass es kein besseres Land auf dieser Erde gibt, um seine Kindheit zu verleben als das Iranische.
Alles wimmelt nur so von froehlichen Woelkchen,harmonischen Sonnenuntergaengen, lachenden Sonnenblumen, bunten Schmetterlingen und summenden Bienen. Alles ist gruen und fruchtbar - obwohl das Land fast nur aus karger Wueste besteht. Eigentlich fehlt nur noch der gemuetliche grinsende Halbmond mit der Pfeife im Mundwinkel!
Wie schrieb noch mal der Medientheoretiker Siegfried Kracauer in seinem Aufsatz " Theorie des Films: Die Errettung der äusseren Wirklichkeit ". Die Ideologie eines Staates manifestiert sich in all seinen aeusseren Erscheinungen: in seinen Gebaeuden, in seinen Bildungsinstitutionen, im Erziehungswesen und nicht zuletzt in seinen oeffentlichen Medien.




4. Iran - Mari



Mari,
Ich lernte Mari in Masuleh, in den gruenen Bergen im Nordwesten Irans kennen. Sie managte die drei Fremdenzimmer, die ihr Vater vor einigen Jahren errichtete und wenn man so will die Familie mit dem Notwendigsten versorgte. Sie war huebsch, hatte eine froehliche Art, war ledig und unerfahren. Mari sprach wenig Englisch, immer wenn es etwas zu klaeren gab, trug sie bereits das Woerterbuch unterm Arm. Und wenn ich dann so auf meinem kleinen Balkon saß und die Gitarre spielte, lauschte sie andaechtig unten im Hof und nuschelte unentwegt "very very good"! In den wenigen Tagen, die ich hier in diesem kleinen Bergdorf verbrachte, war scheinbar alles immer "very very good". Mein Name, dass ich aus Deutschland kam, die Spagetti, die ich kochte, dass ich keine Kinder hatte und vor allem dass ich nicht verheiratet war - eben einfach alles! Besonders mein MP3 Player hatte es ihr angetan. Die Musik, die sich darauf befand, war schließlich "very very good". Das machte mich dann allerdings doch etwas stutzig, denn eigentlich haette ihr die Musik aus ihrem Kulturverstaendnis heraus nicht gefallen duerfen. Hatten doch schon viele Westeuropäer Probleme mit Gruppen wie Radiohead oder Belle & Sebastian und was sich sonst noch so auf dem Player befand.
Als ich gestern Probleme mit dem Wasserboiler hatte, bat ich sie zu mir in meine Behausung herauf. Während sie mir die Zündvorrichtung erklärte, kam sie mir für iranische Verhältnisse ungewoehnlich nah. Ich hatte das Gefuehl, dass ihr Körper zitterte. Auch mich durchlief ein leichter Schauer. Verlegen zupfte sie ihr Kopftuch zurecht und laechelte mich mit ihren großen schwarzen Augen an. Gab es fuer so etwas im Iran schon die Haftstrafe? Ich wusste es nicht? War da nicht vor einigen Jahren dieser deutsche Geschaeftsmann, der nach einer Affaere mit einer Iranerin nur knapp der Todesstrafe entronnen war?
Dennoch diese recht harmlose Angelegenheit zwang mich zum ernsteren Nachdenken. Ich empfand ploetzlich Mitleid mit Mari und allen iranischen Frauen, die sich schon ab ihren neunten Lebensjahr verschleiern mussten. Und das nur, um das maennliche Geschlecht nicht übermäßig zu strapazieren - so steht es zumindest im Koran?! D.h. keine maennliche Beruehrung, Umarmung oder Kuss bis zur Heirat. Wie sehr befanden sich doch die kulturellen und politischen Regularien der islamischen Welt im Widerspruch zum menschlichen Trieb oder nennen wir es einfach zur menschlichen Natur! Wenn man so will nichts anderes als eine akzeptierte Form der Freiheitsberaubung.
Die kleine Mari war ja immerhin schon 23 Jahre alt, d.h. spaetestens seit ihren 16. Lebensjahr spuerte sie eine Form des Verlangens ohne eine Moeglichkeit der Erwiderung zu erhalten - ich gehe mal einfach davon aus das Verlangen hierzulande nicht anders geartet sein duerfte als bei uns im Westen?! Oder laesst sich Verlangen auch politisch regulieren? Die kleine Mari wird also bis zu ihrer Heirat ihrer besten Jahre beraubt, und das nur, weil ein gewisser Khomeini das 1979 so festlegte und die politische Elite des Landes dieses Konzept bis heute unveraendert laesst!
Die iranischen Maenner hatten es da schon etwas leichter, obwohl es auch ihnen nicht einfach gemacht wurde. Die Sittenpolizei hatte ihre Augen schließlich ueberall, damit die Spielregeln des Ayatollas nicht verletzt wurden. Auch wenn es verboten war in den Medien eine Frau ohne Kopftuch abzubilden, hatten fast alle Maenner, die ich bisher kennengelernt habe, 1-2 Sexclips auf ihrem Handy abgespeichert. Diese werden dann gerne prahlerisch unter sich herumgezeigt, naehert sich bei solch einer Zurschaustellung unerwartet ein weibliches Wesen, wird sofort auf den neusten Popschmachtfetzen umgeswitcht. Die Frauen sollten schließlich zuechtig bleiben und nicht verdorben werden! Das Handy verhalf aber der iranischen Gesellschaft zu einer weiteren Nische der Freiheit im ueberregulierten Staat, was den Mullhas gar nicht schmecken konnte. Da es Frauen und Maennern gesetzlich verboten ist, untereinander Kontakt aufzunehmen, wenn sie nicht verheiratet sind, ermoeglichte diese neue technische Erungenschaft immerhin die Moeglichkeit, einem weiblichen Wesen beim Vorbeigehen schnell mal die Telefonnummer rueberzuschieben. Gegen solch eine Technologie waren selbst die wachsamsten Sicherheitorgane machtlos.
Wie in vielen anderen islamischen Laendern gehen die meisten der iranischen jungen Maenner zu Prostituierten, um ihre Unschuld zu verlieren. Hier im wachsamen Iran ist solch ein Besuch bei einer Prostituierten eine ueberaus aufwendige, gefaehrliche und teure Angelegenheit. Er verlangt sorgfaeltige Planung, Organisation und Geschick. Ich habe mir solch ein Unterfangen hier und da mal schildern lassen (im Grunde genommen ne eigene Story wert). Das ganze schien mir so aufwendig und gefaehrlich, dass es mich von der Logistik her an einen Ueberfall auf eine Bankfiliale einer kleineren deutschen Samtgemeinde erinnerte. Aber was tut Mensch nicht alles um seine Instinkten und Trieben zu folgen - und wenn die Obrigkeit noch so wachsam ist!

3. Wie muss es wohl sein wenn einen alle lieben?


Es gibt ja einige Laender auf diesem Planeten, wo das staatliche Oberhaupt alles daran setzt, einen gottes- oder fuehreraehnlichen Status zu erhalten! Zunaechst faellt mir da Kims Nordkorea oder Turkbashis Turkmenistan ein. Und auch Sadaam Hussein setzte noch vor kurzem alles daran, dass selbst der ungebildetste Iraker im entlegensten Winkel des Landes seinen Schnauzbart kannte. Auch Bashar al Assad ist ein großer Liebhaber des Personenkults. Egal auch in welchem Winkel des Wuestenstaates man sich befindet, man wird seinem Konterfei nicht entgehen! Riesige Statuen, Transparente und Gemaelde in allen Groessen, an Verkehrskreuzungen an Gebaeuden, Poster und Bilder in allen privaten und oeffentlichen Einrichtungen. Ein Restaurant ohne mindestens ein Bild des Praesidenten waere undenkbar. Assad jr. ist omnipresent - einmal habe ich ueber 40 seiner Darstellungen von einem einzigen Blickwinkel aus gezaehlt! Assads Konterfei wird auf Motorhauben gesprueht, auf T-Shirts getragen und es ist das Startbild auf fast allen syrischen Handys und Computern. Aber Assad jr. hat etwas geschafft, was den meisten anderen Fuehrern verwehrt blieb, denn sein Volk verehrt und liebt ihn wie einen Heiligen. Zumindest ist mir waehrend meiner Reise in diesem gastfreundlichen Land keiner begegnet, der anderer Meinung war! Das ganze musste irgendwo einen Haken haben dachte ich mir, sowas kann in einer Diktatur doch nicht moeglich sein - oder etwa doch?! Ich studierte also jeden Tag aufmerksam die einzige englischsprachige Zeitung, die Syrien Times. Ich dachte mir vielleicht werden die Menschen ja durch die Printmedien manipuliert - wie bspw. in Marokko, wo der Koenig, man koennte sagen fast staatlich verordnet, in jedem Artikel gehuldigt und gepriessen wird als gaebe es keinen besseren Menschen auf dieser Welt. Aber nichts davon in Bashars Syrien, Assad jr. scheint ohne solche Tricks auszukommen!

Wozu also Demokratie wenn man auch so von allen geliebt wird!

2. Rumaenien


Nach Polen, der Slowakai und Ungarn jetzt in Rumaenien: und es hat sich doch noch mal etwas getan, etwas reizvolles, was Rumaenien vom Rest des slawischen Ostens unterscheidet! Das Ganze erinnert mich irgendwie an ein Kuba ohne Palmen: lebensgefaehrlich tiefe Schlagloecher, aufgerissene Buergersteige, scharrende Huehner und Ziegen auf Bahnhofgleisen, verwegen aussehende Gypsieburschen die am Bahnsteig um dich herumlungern und dir irgendwie vermitteln: Pass auf dein Gepaeck auf! Alte aus sozialistischer Produktion stammende Renaults und Fiats - die vor maroden Haeuserwaenden vor sich hinvegetieren, Storchenklappern auf Schornsteinen mitten in der Grossstadt, streunende Hunde everywhere, bettelnde vom Kapitalismus zurueckgelassene Babuschkas eingewickelt in bunte Kopftuecher, ein buntes Voelkergemisch - etliche Gesichter uebrigens dabei, die wir von der Physiognomie her zunaechst als kriminell einstufen wuerden, unberuehrte wilde Landschaften ohne Hochspannungsmasten und Windparks, Zuege, die fast so langsam fahren wie die in Burma......(80 km - Bukarest nach Russe an der bulgarischen Grenze in 7h) - hier gibt es noch mal so ein Hauch von Indien und das mitten in der EU!

1.Jetzt geht es los

Schon ne ganze Weile unterwegs und endlich versuch ich jetzt mal ein paar Texte ins Netz zu stellen. Bis das ganze richtig losgeht muss ich mich aber erst mal mit dieser verdammten Technik auseinandersetzen.
Tja es ist schon nicht einfach wenn man nicht mit der Computergeneration grossgeworden ist. Na ja dafuer hatten wir schoene unbekuemmerte Kindheiten ohne diesen ganzen Gen- und Technik Schnickschnack, das ist doch auch was wert oder nicht?
Ach ja und mehr Falten hab ich auch bekommen!