Mittwoch, 21. Mai 2008

36. a friend of a devil is a friend of mine...Teil 2

Egal wo hin ich auch schaute, ich wurde waehrend meines Trekks zum Everest staendig von dummen ueberfluessigen Aufklebern verfolgt, hinter der sich aus meiner Sicht nichts anderes als eine dumpfe narzistisch veranlagte Profilierungssucht verbarg! Der Blick nach draussen wurde einem permanent verwehrt. Mein neugieriges Auge konnte sich den Weg nach draussen in die Natur nur schwerlich bahnen...

Jeder Trekker, jede Nation - ja bis hin zur deutschen Malerfirma aus Erlangen musste ein Logo hinterlassen. So nach dem Motto: Ich war da - ich hab's geschafft!

Das Ganze ging mir zunehmend auf den Zeiger. Ich wollte etwas fuer den Umweltschutz (?!) tun, aehh und vor allem wollte ich...

...wieder aus dem Fenster schauen koennen - um die schoenen Berge des Himalayas zu sehen. Deswegen mutete ich mir ja immerhin solche Strapazen zu...


Besonders ein gewisser Dr. aus Leipzig, schien sich voellig im Verewigungswahn verirrt zu haben! Es musste ein...


situationistischer Angriff her, im Sinne des Rumaenen Isidore Isou - dem Begruender des Lettrismus. Nur so konnte meine zarte Seele wieder Frieden finden!

Sehr geehrter Dr. Olaf Rieck,

seit knapp 2 Wochen tapere ich nun schon entlang der Trekkerautobahn von Jiri nach Gokyo - durch die herrliche himalayische Khumbu Region. Welch schoene und erholsame Wanderung! Seit einigen Tagen fuehle ich aber nun ein leichtes Unbehagen in mir. Zuerst wusste ich gar nicht wie dieses Gefuehl entstanden war, aber heute morgen als ich meine hot lemon in meinem Guesthouse schluerfte wurde ich mir der Ursache meines Unwohlseins bewusst. Es waren die unzaehligen Aufkleber der Trekker und Trekkingorganisationen an den Fensterscheiben, die mir in ihrer Fuelle die Sicht nach draussen in die Natur versperrten! Oft gab es kaum noch eine Stelle durch die man hindurchblicken konnte. Ist das nicht furchtbar Herr Doktor? Da macht man sich so einen weiten beschwerlichen Weg durch die duenne Bergluft des Himalayas und kann von den touristischen Lokalitaeten nicht mehr mal die Gipfel der herrlichen Berge erblicken. Das weitgereiste hungrige Auge nimmt nur noch banale Aufkleber von Malerfirmen, Bierbrauern, Landesflaggen diverser Nationalitaeten und vor allem Logos von profilierungssuechtigen Trekkern wahr. Man hat das Gefuehl man befindet sich in einer Form von postmodernem Neokolonlianismus, den die armen Nepalesen hier vor Ort erdulden mussen. Manchmal ist mir dabei so schlecht geworden, dass mir das Dal Bhat buchstaeblich im Rachen stecken blieb.
Vor allem ihr Aufkleber Herr Dr. Rieck, geriet staendig in mein Blickfeld: "Abenteuer Leben" musste ich ueberall lesen - muss man promoviert haben um auf so einen Quatsch zu kommen?! Sie verkaufen sich als Abenteuerer und wissen doch genau, dass alles hier auf der nepalischen Trekkerautobahn vollkommen durchorganisiert und vermarktet ist. Von der Pizza zum Schokoladenkuchen bis zum 24 hour open Bar in Namche Bazaar ist hier alles zu haben! Wollen sie uns etwa fuer dumm verkaufen? Sie wissen doch selbst, dass heutzutage jeder finanzkraeftige Geltungssuechtige auf Leitern den Mt. Everst erklimmen kann, waehrend der arme Sherpa ihm weiter unten das Yaksteak zubereitet. "Brave new world" um es mit den Worten von Aldous Huxley zu umschreiben. Alleine 35 Mal ist mir ihr Aufkleber aufgefallen, welch Verschandelung einer so wertvollen Kulturregion. Welch toerichter Narzismus wohnt in Ihnen Herr Dr. Rieck? Sie benehmen sich wie ein raeudiger Kater, der ohne Ruecksicht auf Umwelt und Natur egoistisch sein Revier absteckt! Wissen sie ueberhaupt wieviel Giftstoffe die Herstellung solcher Aufkleber produziert? Nein?! Dann schauen sie bitte schnell mal im Internet nach! Ich glaube Sir Edmund Hillary wuerde sich im Grab umdrehen, wenn er von ihren dummen Jungenstreichen erfuehre! Ich habe deshalb in Uebereinkunft mit vielen anderen Trekkern beschlossen (mit dem von mir erworbenen Spachtel auf dem Samstagssmarkt in Namche), ihre ueberfluessigen Aufkleber zu entfernen! Ich gehe davon aus, dass sie als gebildeter Mensch meinen Auftrag nach dem lesen dieses Schriebs verstehen und dieser auch in ihrem Sinne ist. Ach ja, ganz nebenbei bemerkt, kommen sie bitte nicht wieder erneut auf die Idee die Scheiben der jeweiligen Lokalitaeten zu verkleistern, denn ich als auch andere Umweltschuetzer werden jedes Jahr erneut dafuer Sorgen das diese wieder entfernt werden.


In diesem Sinne - mit freundlichen Gruessen der Robin Hood Der Nepalesischen Fensterscheiben

Montag, 12. Mai 2008

35. Auf den Spuren von Ed...

In Louis Trenker Pose vor dem Mt. Everest

Ed Hillary: Koennte so event. die Personifizierung des Begriffs "Mannsbild" aussehen?


Me, in Sir. Edmund Hillary's room in Junbesi


Maoistisches Wahlplakat: Der Parteivorsitzende Prachanda; oben links die Ideologischen Vorbilder... Marx, Engels, Lenin, Bruederchen Stalin (in diesem Falle hat man wohl die Geschichtsbuecher nicht richtig gelesen) und Mao

Blick auf die Gokyo Seen von Gokyo Ri

Unser Spanferkel hat waehrend des Trekks einige Kilos gelassen

Strassenkind in Kathmandu....


...ich residierte im Zimmer mit der Nr. 6, im Anka Jhung Guesthouse in Junbesi. In diesem Zimmer wohnte vor einigen Jahren fuer einige Tage Sir Edmund Hillary, der Neusselaender der im Jahre 1953 als erster Mensch mit seinem Begleiter Sherpa Tenzing Norgay den Mt. Everest (8848m) bestieg. Junbesi ist fuer die Verhaeltnisse in der himalayischen Bergwelt ein recht wohlhabendes Dorf mit mehreren Lodges, natuerlich einer Edmund Hillary Schule sowie einem kleinen Wasserkraftwerk, dass den 200 Seelenort 24 h am Tag mit Strom versorgte. Das ist schon ein nicht zu unterschaetzender Luxus in der nepalesischen Bergwelt - sind doch schon die Hauptstaedter in Kathmandu manchmal bis zu 10 Stunden am Tag auf die Unterstuetzung von Generatoren und Kerzenlicht angewiesen. Ich hatte manchmal sogar das unterschwellige Gefuehl, dass sich die noch derzeit im Amt befindliche Regierung (eine korrupte Koalition aus Kongress + Marxistisch-Leninistischer Partei) insbesondere kurz vor den Wahlen gerne noch mal an den Hauptschaltern der Versorgung spielte - um das Volk noch mal etwas zu demuetigen!

Es war Wahlzeit in Nepal, es gab die ueblichen Sicherheitsvorkehrungen und man hatte sogar die Landesgrenzen geschlossen um vermeindtliche Stoerenfriede auszusperren?! Die UN war als Wahlbeobachter vor Ort. Es war eine immens wichtige Wahl fuer das kleine Land am Fusse des Himalayas, auch wenn sich nach Meinung der meist von mir Befragten, sich nach dieser nichts gravierendes veraendern wuerde. Alles werde so bleiben wie es ist, da war man sich jetzt schon ziemlich sicher. Zu tief war die Korruption im Wirtschaftsleben, in der Kultur und der Politik verwurzelt. Nach dem 'CPI-Corruption Index' rangierte Nepal im Jahre 2006 auf Platz 121 von 163 registrierten Laendern. Ich fragte mich warum liebe Leute waehlt ihr den dann ueberhaupt - ich meine wenn sich den eh nichts veraendere? Wir haben keine andere Wahl hiess es meist einvernehmlich. Wir wollen Veraenderung und die amtierende Partai ist dazu nicht imstande, deswegen waehlen wir die Maoisten auch wenn die auch nichts veraendern werden???! In einer Sache schienen sich jedoch die meisten Nepalesen einig. Man wollte den amtierenden Koenig Gyanendera loswerden, der sich vor einigen Jahren durch einen dubiosen, nie ganz aufgeklaerten Streich auf den Thron hob. Liebeskummer soll dabei im Spiel gewesen sein heisst es! Die Nepalesen wollten also weg von der Monarchie, man wollte eine Republik werden.

Wir sind auf dem Weg zum Everest bzw. zum Gokyo Ri, ein technisch unschwierig zu besteigender Berg auf knapp 5400 Metern Hoehe, von wo man einen guten Ausblick auf die Achtausender des Zentralhimalayas hat. Wir waren erst 5 Tage unterwegs, befanden uns aber erst auf 2700 Metern Hoehe. Aber man merkte bereits deutlich das staendige Auf und Ab, der bis zu 10stuendigen Maschiereinheiten, sowie das Gewicht des Rucksackes in den Fuessen und Schultern und sonstwo. Dabei trugen wir im Vergleich zu den nepalesischen Portern gerade mal laecherliche 10 Kilo an Gepaeck. In die Hoehen der nepalesischen Bergwelt wird fast alles auf zwei Beinen, also von Menschenkraft nach oben befoerdert. Ein guter Porter (Gepaecktraeger) transportierte bis zu 120 Kilo an Waren in die Bergregionen um das geschlauchte Trekkerherz mit den zivilisatorischen Annehmlichkeiten zu versorgen. Vom Snickers bis zur Bierflasche gelangte alles auf den Schultern der "Nichtpriviligierten" in die Lodges, um uns "Priviligierte" zu verwoehnen. 50 nepalesische Rupien (50cent) wurden pro Kilo Last von Kathmandu bis nach Namche Bazaar (3600m) gezahlt. Und man darf nicht vergessen auch die menschlichen Lastesel waren vom Flachland ausgehend rund 2 Wochen unterwegs - und bei dieser Rechnung ist der Rueckweg noch nicht einberechnet! Ferner muss berucksichtigt werden, dass auch ein Porter essen und schlafen muss, diese Kosten muss er natuerlich selbst begleichen!
Die Maoisten lagen bei den Stimmauszaehlungen schon vor unserer Abfahrt nach Jiri (dem Ausganspunkt) weit und klar vorn. Noch in Kathmandu konnte man die ausgelassenen Siegesfeiern beobachten. Die Maoisten wurden vor allem von der armen Bevoelkerung im Westen (Maoistcountry) des Landes und der Bergregionen unterstuezt. Auch ich sympathisierte zunaechst mit den Maoisten. Ich dachte mir warum nicht ein wenig Kommunismus, wenn sie die katastrophale Lage im Land wenigstens etwas verbessern wuerde. Die Lage hatte sich seit meinem letzten Besuch vor 5 Jahren dramatisch verschlechtert. Jedoch hoerte ich in der Fortdauer meines Aufenthaltes immer des ofteren seltsame Geschichten ueber das Gebahren dieser postkommunistischen Bewegung, die sich die Maoisten nannten - und dem Wortlaut entsprechend vom grossen Bruder China unterstuetzt wurden. Da gab es Geruechte ueber Unterdrueckung und Folterungen an Andersdenkenden, ueber Wahlmanipulationen unter Androhung von Gewalt in entlegenden Bezirken usw.. Ich wurde im Zuge meiner Befragungen zunehmend skeptischer.

Noch bis kurz vor den Wahlen schwadronierten die maoistischen Rebellen hier durch die sogenannte Khumbu Region in der wir uns befanden und zwangen die darbende Dorfbevoelkerung um Spendengelder, um ihren sozialistisch-kommunistisch inspirierten Siegeszug zu finanzieren. Das Guesthouse indem wir uns in Junbesi einquartiert hatten, gehoerte einst einer recht einflussreichen und wohlhabenden Familie. Diese weigerte sich, die von den Maoisten geforderte Summe zu zahlen. Das Haus wurde teilweise zerstoert und einzelne Familienmitglieder aus Rache gedemuetigt und misshandelt. Die Familie floh in die Vereinigten Staaten und vermietete das grosszuegige Gebaeude an nahstehende Verwandte. Zumindest was Menschenrechte betrifft, scheint bei den Maoisten der chinesische Einfluss schon Fuss gefasst zu haben!